Viele alteingesessene Branchen und Industrien haben große Schwierigkeiten sich auf die anstehenden Veränderungen, bzw. die anstehende Kurvenfahrt einzustellen.

Beginnen wir zunächst bei den Grundlagen. Jeder Körper, der seine Bewegungsrichtung ändert unterliegt einer „Trägheit“, welche ihn wie gewohnt weiter auf Spur in der vertrauten Richtung halten möchte. Bei einem Richtungswechsel zwingt die Zentripetalkraft uns eine Änderung der Bewegungsrichtung auf, die nun kontinuierlich einer gekrümmten Bahn folgt. – Wir befinden uns mitten im Change.

Auch im Streben nach Innovation und der damit einhergehenden Veränderung wirken Kräfte auf uns alle, die uns dazu zwingen unsere bekannten Wege zu verlassen und eine Veränderung zu durchlaufen. Wenn wir heute von ‚Change’ sprechen, kommen wir an der Digitalisierung nicht vorbei. Kein anderes Thema wird – seit der industriellen Revolution – unser Leben derartig nachhaltig verändern. Viele alteingesessene Branchen und Industrien haben jedoch große Schwierigkeiten sich auf die anstehenden Veränderungen, bzw. die anstehende Kurvenfahrt einzustellen. Weiter geradeaus fahren und so weitermachen wie bisher ist jedoch keine Alternative mehr – nach der letzten ‚Ausfahrt’ wartet nur noch die ‚Wand’ – und bis dorthin werden es jeden Tag weniger ‚Ausfahrten’! Eine hohe Trägheit sowie die damit einhergehende Angst „aus der Kurve zu fliegen“ lähmt viele Firmen und verhindert einen zwingend erforderlichen Kurswechsel.

Wie kann nun ‚Driften’ dabei helfen Veränderungen besser zu bewältigen?

An dieser Stelle auch ein kurzer Exkurs…. .Bereits in den 1980er setzten japanische Rennfahrer die Technik des ‚Driftens’ dazu ein sich im Rennen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen.  Durch einen Kraftimpuls auf die Hinterreifen (z.B. kurzer Gasimpuls) wurde ein Durchdrehen der Reifen eingeleitet, wodurch wiederum der ‚Driftwinkel‘ gesteuert werden konnte. Trotz des herbeigeführten, instabilen Zustandes gelingt es dem Fahrer so die Kurve kontrolliert bei hohem Tempo zu durchfahren.

Umso leichter das Fahrzeug, umso schneller gelingt es zu driften. Hier sehen wir sehr schön die Analogie zu Startups. Diese sind agil und freuen sich bereits auf den nächsten ‚Drift’ den sie meistern können. Aufgrund ihrer geringen ‚Masse und Trägheit’ sind sie die perfekten ‚Drifter’. Große Unternehmen hingegen sind eher mit ‚Luxus-Fahrzeugen‘ zu vergleiche. Diese sind auf Höchstleistung getrimmt und können Ihre Stärken/Pferdestärken vor allem auf der Geraden ausspielen. In der Kurve zieht jedoch unbarmherzig die Fliehkraft an ihnen. Wird die Fliehkraft nun größer als die Zentripetalkraft (Haftreibung der Räder) fliegt man aus der Kurve. Eine große Masse, bei hoher Geschwindigkeit und gleichzeitig kleinem Kurvenradius sind sozusagen der ‚WorstCase’ in diesem System. Doch auch hier kann es gelingen das ‚Driften’ für sich zu nutzen. Hierbei kann man viel von Startups lernen. Man bringt sein Organigramm auf Vordermann und sorgt für mehr Agilität – Heckantrieb.  Mann speckt etwas ab, verschlankt Strukturen und schalten falls möglich einige Stabilitätssysteme ab.

Und siehe da! Daimler Chef Dieter Zetsche zeigt wie ein Traditionsunternehmen auf den Change eingestellt und die anstehenden Transformationen bewältigen kann – auf einmal kann auch eine ‚S-Klasse’ driften…..

-Alex-